08.12.2018: Neonazi pflegt Gedenkstein der NS-Todesmärsche von Gardelegen

Die Volksstimme berichtet, dass der Kreisverbandvorsitzende der AfD Altmark West Sebastian Koch eine Patenschaft eines der Gedenksteine der Todesmärsche von Gardelegen zum Ende des Nationalsozialismus übernommen hat und diesen Gedenkstein pflegt. Die Volksstimme schreibt: „Doch jetzt sorgt diese Patenschaft für Zweifel. Denn Koch ist nicht nur ein kleines Licht bei der kommunalen AfD. Seit 2017 ist er der Kreisvorsitzende der Westaltmark und Gründungsmitglied der Jungen Alternativen – der Jugendorganisation der AfD“
Mit der Übernahme dieser Patenschaft durch ihren Kreisverbandsvorsitzenden versuchte sich die AfD schon auf ihrer Facebookseite zu profilieren. Der Facebookseite ist außerdem zu entnehmen, dass Mitglieder des Kreisverbands samt ihres Vorsitzenden Koch die Gedenkstätte Isenschnibbe besucht haben.
Facebook Koch in Isenschnibbe
Koch in Isenschnibbe, Quelle Facebook

Dass die rechtsextreme AfD ein rein instrumentalisierendes Verhältnis zu NS-Gedenkstätten hat, wurde spätenstens seit Höckes Rede klar, in der er eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ forderte und von „dämliche[r] Bewältigungspolitik“ sprach. Es ist es zynisch, wenn Rechtsextreme das Gedenken an den Nationalsozialismus instrumentalisieren und geschichtspolitisch umdeuten. Es verletzt die Würde der NS-Opfer, die sich gegen so eine Vereinnahmung nicht mehr wehren können, wenn Rechtsextreme und Neonazis wie Koch Gedenk- und Grabstätten besuchen, um damit wie in diesem Fall AfD-Kommunalpolitik zu machen. Ihr wahres Gesicht zeigten die lokale AfD und die Junge Alternative beispielsweise am Volktrauertag. In Gardelegen legte die Junge Alternative Altmark am Soldatendenkmal auf dem Friedhof einen Kranz mit einer Schleife nieder, auf der geschrieben stand: „Ehre wem wem Ehre gebührt“. In dem Artikel der Volksstimme wird zurecht darauf hingewisesen, dass diesen Spruch sonst Alt- und Neonazis bei ihren Heldengedenken benutzen.
Facebook Junge Alternative Ehre wem Ehre gebührt
Kranz der JA Altmark, Quelle Facebook

Obwohl die Volksstimme Fotos veröffentlichte, die den Kreisverbandsvorsitzenden Koch auf eindeutigen Naziversammlungen wie einem Aufmarsch von Die Rechte zeigte, ist zu lesen, dass Koch – ganz AfD-Politiker – seine Verstrickung in die Naziszene leugnet. Auch wird völlig zutreffend berichtet, dass Koch auf der Homepage der AfD Altmark West im Febraur dieses Jahres zur Teilnahme einer NPD- und JN- Kundgebung in Lüchow gegen den Bau einer Moschee aufrief.
Screenshot Aufruf NPD-Kundgebung Lüchow
Screenshot der Homepage AfD Altmark West

Ob der AfD-Vorsitzende mit dem dummdreisten Abstreiten seines politischen Hintergrunds durchkommt, darf bezweifelt werden. Wir haben entsprechend auch noch ein paar Infos zu ergänzen. Koch taucht in diversen Facebook-Freundeslisten von regionalen Nazis auf. Auch seine Postings sind eindeutig. So veröffentlichte er auf einem seiner Facebookprofile folgendes Bild (aktuell nicht mehr einsehbar):
Facebook Opferstein

Das T-Shirt eines anderes lokalen Nazis mit einer Aufschrift des (in Deutschland verbotenen) internationalen militanten Nazinetzwerks Blood an Honour / Combat 18 (kurz B&H / C 18) kommentierte er auf Facebook mit den Worten „I know that guy! B&H 4 life“
Sebastian Koch B&H 4 life

Teilnahme bei einer klandestin organisierten „Demoschulung“ von militanten Neonazis aus Chemnitz mit dem Namen Rechtes Plenum im Mai 2016: Koch wurde dabei fotografiert, wie er mit einer Gruppe weiterer Salzwedeler Nazis in Chemnitz ankam. Er trug dabei ein T-Shirt mit der Aufschrift „Freie Nationalisten Altmark West“. Fokus Online schrieb über das Rechte Plenum in Chemnitz und die Demoschulung: „Die Neonazi-Gruppe beklebte Laternenmasten und Parkbänke in der ganzen Stadt mit ihren Motiven, plante „Demoschulungen“, um zu üben, wie ein schwarzer Block an Rechtsextremisten gebildet und Polizeiketten durchbrochen werden können.“ Wie Fotos belegen, waren bei der Demoschulung außerdem noch mit dabei der Spieler des Kuhfelder SV Martin J., der Nachwuchskader und Gewalttäter Fabian Mähne und weitere Nazis, die sich heute im Umfeld der AfD und der Jungen Alternative bewegen (weitere Infos dazu werden folgen). Da Sebastian Koch in einem Leak einer internen AfD-Chatgruppe nur acht Montate später schon als Kassenwart des Kreisverbands Altmark-West genannt wird, ist zu vermuten, dass Koch zum Zeitpunkt seiner Teilnahme am geheimen Demotraining schon AfD-Parteimitglied war.
Sebastian Koch Demoschulung Rechtes Plenum Chemnitz
Koch in Chemnitz

Im August letzten Jahres feierten Personen aus der rechten Szene einen Junggesellenabschied in Gardelegen. Sie zogen dabei als Schotten kostümiert durch die Stadt und posierten für einen Artikel im Gardelegener Stadtspiegel. Mit dabei diverse von Aufmärschen bekannte Neonazis und mitten drin der AfD-Kreisverbandsvorsitzende (erste Reihe ganz links kniehend).

Junggesellenabschied Nazis Gardelegen
Koch und andere Nazis in Gardelegen, Quelle Stadtspiegel Gardelegen

10.11.18: Nazis aus dem Altmarkkreis bei Fackelmarsch in Magdeburg

Am Samstag, dem 10.11. zogen über 500 Neonazis und andere Rechtsextreme mit Fackeln durch Magdeburg. Mit dabei auch eine Gruppe Neonazis aus dem Altmarkkreis Salzwedel. Sie trugen ein Transparent mit der Aufschrift „Antideutsche aus dem Land jagen!“. Also eine ganz klare Gewaltaufforderung, die sich gegen politische Gegner*innen bzw. gegen für die von den Nazis als „undeutsch“ erachtete Menschen richtet. Dass diesen Aufforderungen auch Taten folgen, sieht man an den zahlreichen, systematischen rechten Angriffen, die in den letzen Montaten immer wieder von der rechten Szene in Salzwedel verübt wurden. Mit auf den Fotos zu erkennen sind u.a. die Naziaktivisten Fabian Mähne, Steffen G., Lars-Christian K. und Dave N.

Nazis Magdeburg 1

Nazis Magdeburg 2
Fotoquelle: Presseservice Rathenow

Einen Bericht zu dem Naziaufmarsch gibt es auch beim Presseservice Rathenow.

07.11.18: Wohnungsloser in Salzwedel angegriffen

Wie die Volksstimme berichtet, wurde ein Wohnungsloser in der Altperverstraße von zwei Männern angegriffen und durch Faustschläge im Gesicht verletzt und mit Gewalt von seinem Schlafplatz vertrieben. Die Volksstimme schreibt:

„Weil es zwei Männern, der Obdachlose bezeichnete sie laut Polizeibericht als Russlanddeutsche, nicht passte, dass der 60-Jährige in einem Durchgang sein Nachtlager aufschlug, kam es zum Streit. In diesem Zusammenhang erhielt er von den Männern Faustschläge ins Gesicht und wurde dadurch verletzt. Er beschrieb die Angreifer jeweils als etwa 160 bis 165 Zentimeter groß und sie trugen neuwertige graue Arbeitsanzüge. Einer hatte schwarze Haare, der andere einen Igelschnitt. Beide hatten eine kräftige Figur und waren zwischen 25 und 30 Jahre alt.“

28.11.2018: Fachvortrag zu Hebammen im Nationalsozialismus

‚Wertvolles deutsches Blut‘ – Hebammen im Dienst der Nazis

Während des Naziregimes wurde unter dem Leitbild „Die Welt der Frau ist das Heim“ der deutschen Frau als Mutter eine zentrale Aufgabe in der Familienpolitik zugeschrieben. Sie sollte den biologischen Fortbestand des Deutschen Volkes sichern. Eine wichtige Funktion nahmen dabei die Hebammen ein.

Als die verschiedenen deutschen Hebammenverbände 1933 zusammengeschlossen wurden, gelangte mit Nanna Conti (1881-1951) eine Hebamme und glühende Nationalsozialistin in die einflussreiche Position als Reichshebammenführerin. Durch die Geburtenpolitik und die Verklärung der Mutterschaft wurde Hebammen im NS-Gesundheitswesen besondere Hochachtung zuteil. Sie waren außerdem prädestiniert dafür, Informationen für die „erbgesundheitliche“ Erfassung der Bevölkerung zu sammeln. Nanna Conti, die ihre Hebammenausbildung in der Provinzial-Hebammenlehranstalt in Magdeburg abschloss, leitete den Hebammenverband nach dem Führerprinzip, schulte die deutschen Hebammen und prägte das deutsche und zeitweise auch europäische Hebammenwesen nachhaltig. Mit der starken politischen Verknüpfung wurde aus dem Beruf Hebamme außerdem ein mächtiges Instrument des Nationalsozialismus geschaffen, welches direkten Einfluss auf die Familie ausübte.

Die Frage „War das denn alles schlecht?“ wird gerade in der Geburtshilfe besonders häufig gestellt. Angesichts der Attraktivität der Gesundheits- und Sozialberufe für Rechtsextreme möchten wir genau dies mit Ihnen diskutieren.

Die Expertin Dr. Anja Katharina Peters ist Kinderkrankenschwester und Pflegewissenschaftlerin. Sie wurde mit einer Biographie Nanna Contis in der Medizingeschichte promoviert. Sie ist ausgewiesene Kennerin der Geburtenpolitik der Nationalsozialisten und wird an diesem Abend zur Geschichte und Funktion der Reichshebammenführerin Nanna Conti referieren.

Wenn Sie an dieser Veranstaltung teilnehmen wollen, bitten wir Sie, sich verbindlich anzumelden. Bitte wenden Sie sich an uns, wenn sie Fragen zur barrierefreien Durchführung der Veranstaltung haben.

Mittwoch, 28.11.18
19:00 bis 20:30 Uhr

Club Hanseat, Altperverstr. 23
29410 Salzwedel

Eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen-Anhalt. Anmeldung hier

11.11.18: „Frauenstammtsich“ der AfD in Gardelegen mit Männern?

Dass Männer in der AfD (inkl. Sebastian Koch) die Bedeutung des Wortes Frauenstammtisch nicht begreifen, wundert uns jetzt weniger.

AfD Frauenstammtisch
Quelle: Facebookseite der AfD Altmark West

09.11.2018: Gedenkrundgang zu den Novemberpogromen im Nationalsozialismus in Salzwedel

Am 9. November wird es einen Gedenkrundgang für die im NS verfolgten Jüdinnen und Juden durch Salzwedel entlang der Stolpersteine geben. Beginn ist um 19h am Rathausturmplatz.
Zuvor wird es um 18h noch eine kleine Andacht auf dem alten jüdischen Friedhof geben.

Stolperstein Rundgang Salzwedel

27.10.2018: Rechtsextremer „Sternmarsch“ in Tangermünde

Die Nazis der Bürgerbewegung Altmark planen diesen Samstag einen Sternmarsch und mehrere Versammlungen in Tangermünde. Unter dem Titel „Unser Land und unsere Regeln“ sowie unter dem Label „Vereint für ein freies und souveränes Deutschland“ sind mehrere aufeinanderfolgende Kundgebungen bzw. der „Sternmarsch“ angemeldet. Die Rechten um das Führungsduo Martin K. und Jessica R. kündigen für den Tag die Teilnahme mehrerer „Bürgerbewegungen“ an, die vom Neustädter Tor, vom Eulenturm und vom Bahnhof zum Markplatz marschieren wollen. Beginn der dezentralen Aufmärsche soll 14:30 Uhr sein, die eigentliche Kundgebung am Markplatz soll dann um 16 Uhr beginnen und sich bis in die Abenstunden hinziehen, wo dann auch mit Fackeln demonstriert werden soll. Das eng mit der Bürgerbewegung Altmark vernetzte Bürgerbündnis Havelland mobilisiert ebenfalls für den Tag nach Tangermünde und kündigte an, dort seinen dreijährigen Geburtstag zu feiern. Ferner ist ein „Liedermacher mit Gitarre aus der Umgebung“ angekündigt.

Auch dieses mal sind in Tangermünde wieder Gegenaktionen gegen das braune Treiben angekündigt.
Martin K Nazidemo Köthen
Martin K. auf einer Nazidemo in Köthen, Foto: Presseservice Rathenow

Nachtrag: einen Bericht und Fotos zu dem braunen Treiben gibt es beim Presseservice Rathenow

06.10.18: Hitlergruß gegen Migranten auf dem Nysmarkt in Salzwedel

Zeugen berichten uns von einem Vorfall auf dem Nysmarkt am Samstag Abend zwischen 21:00h und 22:00h. Die Besucher*innen des Nysmarkts beobachten, dass eine kleine Gruppe junger Männer, dem Anschein nach Rechte, sich ein Wortgefecht mit zwei Migranten liefert und diese augenscheinlich provoziert. Was genau gesagt wird, kann aufgrund der Geräuschkulisse auf dem Volksfest nicht verstanden werden. Nach der offensichtlichen verbalen Auseinandersetzung macht ein junger Mann aus der Gruppe der Rechten einen Hitlergruß in Richtung der Migranten und die Gruppe entfernt sich. Die Zeugen beobachten, dass der junge Mann mit dem Hitlergruß ein T-Shirt mit der Aufschrift „Division Altmark“ trägt. Kurz nach dem Vorfall werden ein paar Streife laufende Polizisten von einem Zeugen, der das Geschehen beobachtet hatte, angesprochen. Die Beamten zeigen jedoch kein Interesse an dem Hitlergruß. Sie nehmen keine Anzeige oder Personalien von Zeug*innen im Umfeld auf, sondern schlendern weiter, obwohl mehrere Festbesucher*innen den Täter hätten beschreiben können.

15.10.18: Angriff mit Pyrotechnik gegen Wohnhaus

Neonazis zünden in der Nacht zu Montag um ca 00:40 ein halbes Dutzend mutmaßlich illegale Knallkörper vor dem Wohnhaus eines Nazigegners in Salzwedel. Dabei wird ein Briefkasten zerstört und ein Treppenaufgang durch die Detonation beschädigt. Eine Zeugin sieht zwei silbermetallicfarbene Autos flüchten (eins davon mit Klötzer Kennzeichen).

14.09.18: Drohbrief in Briefkasten

Ein junger Mann aus Salzwedel findet am Abend des 14.09. einen Drohbrief in seinem Briefkasten. Dieser Brief enthält eine Morddrohung gegen die Antifa. In dem Schreiben wird ein SS groß geschrieben und farblich hervorvorgehoben.



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