Archiv für Juli 2018

18.02.18: versuchter Angriff auf Antifaschisten und beschädigter PKW in Salzwedel

Eine Gruppe Salzwedeler Neonazis unterwegs mit zwei vollbesetzen Autos trifft am späten Abend in der Straße am Lohteich auf vier Antifaschist*innen. Als die Nazis die Linken erkennen, verlassen sie sofort vermummt und mit Schlagwerkzeugen bewaffnet ihre Autos, bedrohen einen der Linken und versuchen ihn mit Teleskopschlägern anzugreifen. Die bedrohte Person muss in ein Auto flüchten, wobei die vermummten Nazis dann auf das Auto der flüchtenden Linken mit mutmaßlich einem Baseballschläger einschlagen und den Wagen beschädigen. Vermutlich Anwohner alarmieren die kurz danach eintreffende Polizei.
Quelle: Bericht von betroffenen Personen

24.06.18: Flaschenwurf von Neonazi auf Abiturientin in Salzwedel

Am frühen Sonntag Morgen des 24.06. kam es zu einem rechten Angriff am Rathausturmplatz. Eine Gruppe, die der rechten Szene zugeordnet werden kann, provoziert eine Gruppe junger Erwachsener und Abiturient*innen, die am Rathausturmplatz feierten. Im Zuge der Auseinandersetzung wurde von einem Rechten eine Flasche auf eine Abiturientin geworfen. Die Polizei schreibt dazu in ihrer Pressemitteilung:
Zeugen gesucht
Salzwedel: Anonym wurde schriftlich angezeigt, dass es am 24.06.2018 gegen 04:30 Uhr zu einem Übergriff rechter Personen gegen linksorientierte Jugendliche gekommen sein soll. Danach ließ eine Gruppe Jugendlicher eine Abiturabschlussfeier auf dem Rathausturmplatz „ausklingen“ und vier „Rechte“ hätten sich unter sie gemischt. Als ihnen deutlich gemacht wurde, dass sie nicht erwünscht sind, kam es von einem dieser Personen zum Wurf einer Glasflasche, die eine Abiturientin an der Schulter traf.
Die Abiturientin und andere Zeugen, möglicherweise auch völlig unbeteiligte Zeugen die die Feier bemerkt haben, werden gebeten sich im Polizeirevier AK Salzwedel (‘ 03901 848-0) zu melden.

Nachtrag und Korrektur: eine Person, die den Abend anwesend war, berichtete, dass sich der Vorfall am Vorplatz vom Kulturhaus [nicht am Rathausturmplatz] zugetragen hat. Die Person schilderte folgendes:
Nach einem Abiball kam zu einer spontanen Party am Vorplatz vom Kulturhaus. Eine größere Gruppe Abiturient*innen und Gäste vom Abiball standen um ein Auto mit aufgedrehter Musik und feierten. Eine Gruppe Salzwedeler Nazis in einem Auto fuhr vor, einer der Rechtern stieg aus ging mit Bierflasche in der Hand auf die Feiernden zu und versuchte zu provozieren. Ihm wurde darauf hin nahegelegt, den Ort zu verlassen und die Feiernden in Ruhe zu lassen. Darauf hin schmiss er gezielt eine Flasche in die Gruppe der Feiernden, wobei er eine junge Frau traf. Die Folge war einer Ranglei auch unter Beteiligung der anderen Nazis aus dem Auto und den Feiernden. Nach dieser Auseinandersetzung flüchteten die Rechten mit ihrem Auto.

Nazi-Liedermacher „Lummi“ mit Auschwitz-Shirt

Der in der Altmark lebende und aus Gardelegen stammende Neonazi und Liedermacher Thomas Lummitsch posiert auf Facebook mit einem T-Shirt mit dem Aufdruck UNIVERSITY AUSCHWITZ EST. 1941 Final Solution (zu deutsch etwa: Auschwitz Universität gegründet / etabliert 1941 Endlösung), dazu ist als stilisiertes Motiv das Torgebäude des Vernichtungslagers Auschwitz Birkenau zu sehen.
Lummitsch mit Auschwitzshirt
Quelle: Facebookprofil von Thomas Lummitsch

In dem Lagerkomplex Auschwitz wurden bis zu 1,5 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten ermordet. Solch zynische Verhöhnung der Ermordeten und der Überlebenden ist mit so einem Motiv fällt in Deutschland unter das Strafrecht. Ein Shirt mit fast dem gleichen Aufdruck wurde von einer Frau bei den Krawallen von Hooligans gegen Salafisten (Hogesa) 2014 in Köln getragen. Die Trägerin konnte von der Polizei ermittelt werden und wurde 2015 wegen des Aufdrucks wegen Volksverhetzung verurteilt.
Auschwitz University bei Hogesa
Fast gleiches Motiv bei Hogesa-Aufmarsch (Quelle: Twitter)

Der Nazimusiker Thomas Lummitsch trat in den vergangenen Jahren mit mehren Bandprojekten auf, teils allein als Liedermacher, teils mit Rechtsrockband. In der Szene ist er bekannt mit dem Projekt „Odur“, davor trat er „Lummi“ auf oder mit „Revolution“ (gemeinsam mit den Gardelegener Bandmitgliedern Michael Z. und Florian K.). Die erste Veröffentlichung von Odur wurde indiziert und darf nicht mehr verkauft werden.
Cover Odur
CD-Cover des zweiten Albums von Odur

14.07.18: vermummte Nazis stören linke Demonstration in Salzwedel

Am vergangenen Samstag fand in Salzwedel eine antifaschistische Demonstration gegen rechte Gewalt statt. Hintergrund war u.a. der Überfall auf das autonome Zentrum Kim Hubert. Auf der Ernst-Thälmann-Straße in Höhe des Netto-Marktes kam es zu einem Zwischenfall, als an der Demoroute acht vermummte Neonazis mit einem großen Transparent gegen die Antifa-Demonstration posierten. Wie Fotos belegen, waren sie dabei vermummt und teilweise mit Quarzsandhandschuhen bewaffnet. Die Polizei berichtet in ihrer Pressemeldung zwar, dass acht Personen den linken Aufzug störten. Dass es sich aber um stadtbekannte organisierte Neonazis handelt, die vermummt und mit den gefährlichen Schlaghandschuhen bewaffnet die Auseinandersetzung suchten, steht nicht in der Polizeimeldung. Es bleibt unklar, warum die Polizei die Rechten zunächst gewähren ließ, klar ist aber, dass Salzwedel ein Problem mit organsierten und gewalttätigen Neonazis hat. Die Fotos belegen die Teilnahme vom vorbestraften Naziaktivisten Fabian Mähne an der Störung, auch Marvin J. ist dort zu erkennen. Nach Eigenangaben der Partei ist Marvin J. AfD-Mitglied.

vermummte Nazis 9
Vermummte Nazis (Quelle: Sören Kohlhuber)

Fabian Mähne und Marvin J.
Fabian Mähne und Marvin J. (Quelle: Sören Kohlhuber)

Nazis unvermummt
Fabian Mähne 2. v. l. unvermummt (Quelle: Sören Kohlhuber)

07.07.18: rassistischer Angriff in Klötze

Wie die Volksstimme berichtet, kam es am frühen Sonnabend morgen zu einem rassistisch motiverten Angriff in Klötze gegen einen Afghanen. Der afghanische Geflüchtete traf in Nähe des Klötzer Rathauses auf vier Männer, von denen einer eine rassistische Parole rief und dann zuschlug. Der Betroffene konnte mit seinem Handy ein Foto von dem Täter machen, die Polizei ermittelt und sucht Zeugen.

Der Mode- und Musikgeschmack einiger Fußballspieler beim Kuhfelder SV

Nachdem wir vor ein paar Tagen bereits auf zwei Beispiele von neonazistischen Spielern beim SV Kuhfelde eingegangen sind, wollen wir uns an dieser Stelle mal mit dem Mode- und Musikgeschmack einiger Kuhfelder Fußballspieler beschäftigen. Mode und Musik sind in der rechten Szene ein wichtiger Ausdruck des eigenen Weltbildes, sie sind identitätsstiftend und dienen Gleichgesinnten als Erkennungszeichen. Mal codiert und subtil, mal offen ist die rechte Symbolik bei Bands oder rechter Bekleidung zu erkennen.

Auch hier sei noch mal betont, dass wir hier auf gar keinen Fall die gesamte Mannschaft in eine rechte Ecke stellen wollen. Wir wünschen uns aber mehr Sensibilität, denn das was wir auf den Facebookprofilen von einigen Spielern gefunden haben, hätte unter Umständen auch den Nicht-Rechten in der Mannschaft auffallen können. Ein paar Beispiele für den Modegeschmack:

Spieler E. gefallen auf Facebook diverse rechte, rechtsoffene und gewaltverherrlichende Bekleidungsmarken, darunter Eric & Sons, Thor Steinar, Walhalla oder Pro Violence Streetwear.

Likes Klamotten Spieler E

Dass der Spieler E. die Marken nicht nur auf Facebook schick findet, sondern er so etwas auch wirklich trägt, belegt ein Foto, bei dem er mit einem Shirt von Pro Violence zu sehen ist. Pro Violence ist u.a. in der rechten Hooligan-Szene beliebt.

Spieler E mit Pro Violence

Auch Spieler T. gefallen auf Facebook einschlägige und rechtslastige Bekleidungsmarken (Fred Perry zählt übrigends nicht dazu).

Likes Klamotten Spieler T

Auf Fotos ist er zudem mit ganz eindeutigen Nazishirts zu sehen. Zu lesen ist hier unten der Shriftzug Blood C18 Honour, was für die in Deutschland verbotenen Nazi(terror)organisationen Blood and Honour und Combat 18 steht. Eindeutiger geht es nicht mehr. Ob das Tragen eines Shirts von Blood and Honour der Sektion Schweden ausreicht, um in Deutschland einem Strafverfahren zu entgehen, sei mal dahin gestellt.

Spieler T mit Blood and Honour

Auch der Spieler H. klickt bei der eindeutig neonazistischen und antisemitischen Marke Amalek auf gefällt mir.

Likes Klamotten Spieler H

Privat ist er mit einem Anti-Antifa-Motiv auf dem Pullover unterwegs, ein Motiv das es nur in einschlägigen Naziversänden zu kaufen gibt.

Spieler H mit Anti-Antifa-Shirt

Ein ähnliches Bild auch bei den musikalischen Vorlieben, mehrere Spieler der Fußballsparte teilen auf Facebook die Profile eindeutig neonazistischer Bands. Geliked werden u.a.:

Oidoxie
Terrorsphära
Mortuary
Blutzeugen
FieL – Fremde im eigenen Land
Frontalkraft
S.K.D. (was für Sonderkommando Dirlewanger steht)

Likes Musik Spieler H

Likes Musik Spieler J

Um die Nazis und ihre rechte Symbolik besser zu erkennen, empfehlen wir die Seite Das Versteckspiel

Weitere Infos zu Kuhfelder Spielern werden folgen!

03.07.2018: Kuhfelder SV wehrt sich in der Altmarkzeitung gegen Vorwürfe unserer Kampage

In der Altmarkzeitung vom 03.07.18 empören sich die Vereinsvorsitzende und der Abteilungsleiter Fußball des Kuhfelder SV über die Vorwürfe, die in unserem offenen Brief geäußert wurden. Die Altmarkzeitung zitiert die Vereinsvorsitzende: „Wir lassen uns nicht als Nazis bezeichnen!“ Unserer Kampagne wird laut Altmarkzeitung vom Abteilungsleiter Fußball „Rufmord“ vorgeworfen, auch wird dort seitens des Vereins eine Entschuldigung und eine Richtigstellung von uns gefordert.

Wir wollen daher kurz zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Auf keinen Fall wollten wir den Verein in Gänze kritisieren, geschweige denn als Nazis bezeichnen. Sondern wir wollten auf einige rechte Spieler in der Herrenmannschaft hinweisen. Zitat aus unserem offenen Brief:

Aktuell spielen einige der rechten Akteure im Kuhfelder Sportverein Fußball. Wir haben Salzwedeler Jugendliche darauf angesprochen und diese bestätigten uns, dass die Situation unter „Hakenkreuz Kuhfelde“ durchaus bekannt sei. Wir verstehen nicht, dass ein Sportverein wie der KSV, der ansonsten für gute Jugendarbeit und aktiven Sport über den Ort hinaus geschätzt ist, dieser Herrenmannschaft und ebenfalls der damit zusammenhängenden rechten Fanszene eine Plattform bietet.

Die polarisierende Bezeichnung „Hakenkreuz Kuhfelde“ stammt dabei nicht von uns, sondern ist ein im Text gekennzeichnetes Zitat von Jugendlichen, mit dem wir unterstreichen wollten, wie unterschiedlich die aktuelle Situation wahrgenommen wird. Die Reaktionen aus dem Verein bestätigen uns dabei, auch wenn – wie betont – damit keinesfalls der gesamte Verein gemeint ist. Bei dieser differenzierten Darstellung werden wir bleiben und erhalten den Vorwurf von rechten und neonazistischen Spielern beim Kuhfelder SV aufrecht.

Prominentestes Beispiel für einen Neonazi ist der Kuhfelder Spieler J., der überregional in die Schlagzeilen geriet, weil er wegen unzähliger Nazischmierereien in Salzwedel Anfang Okt0ber 2013 in mehreren Instanzen vor Gericht stand. Im Mai 2016 wurde er vor dem Landgericht Stendal für die Taten verurteilt. Er legte zwar Rechtsmittel vor dem Oberlandesgericht ein, so dass wir nicht wissen, ob das Urteil rechtskräftig wurde. Das Urteil ist aber auch unerheblich für den Umstand, dass dieser in Salzwedel bekannte rechte Aktivist und Teilnehmer von Naziaufmärschen beim Kuhfelder SV spielt. Es wundert uns, dass der politische Hintergrund trotz wiederholter Berichterstattung samt „Dorftratsch“ dem Verein komplett verborgen blieb. Ein weiteres Beispiel für einen Neonazi in der Mannschaft ist der Spieler T., der im Internet mit seinem Tattoo posiert. Zu sehen ist unter anderem eine sogenannte schwarze Sonne auf dem Oberarm, ein bliebtes und bekanntes Symbol der rechten Szene. Dieses Tattoo sollte der Mannschaft in der Umkleidekabine nicht verborgen geblieben sein.
Weitere Infos werden folgen.

Tattoo schwarze Sonne
Spieler T. mit Nazi-Tattoo auf dem Oberarm

04.07.2018: Personalwechsel im Vorstand der AfD Altmark-West

Wie die Volksstimme in ihrer Ausgabe am 04.07.18 berichtet, kam es bei einer Sitzung des Kreisverbands der AfD Altmark-West zu personellen Wechseln im Kreisvorstand. Die Salzwedeler Carsten Brückner und Peter Siebenmorgen (die sich gegen die rassistische Rede von Poggenburg beim politischen Aschermittwoch positioniert hatten) wurden mit einem Misstrauensvotum von den lt. Volksstimme 40 anwesenden Mitgliedern abgewählt. Dafür wurden neu gewählt Georg Krutzfeld (Gardelegen) und Diana Giebler (Diesdorf).
Vorsitzender bleibt der Neonazi Sebastian Koch (Gardelegen), sein neuer Stellvertreter ist Georg Krutzfeld. Weiter im Vorstand sind Stephan Namendorf (Klötze), Gudrun Mücher (Solpke), Roland Karsch (Salzwedel), Andrea Hempel (Klötze) und die neue Diana Giebler.
Das Misstrauensvotum lässt auf parteiinternen Streit schließen, die Volksstimme zitiert den Vorsitzenden Koch mit den Worten: „Unsere Mitglieder erwarten zu Recht, dass gewählte Vorstandsmitglieder ihrer Aufgabe und Verantwortung auch nachkommen“.